Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft bedeutet die Nutzung natürlicher Ressourcen aus nachwachsenden Rohstoffen und die Wiederverwendung von Müll und Abfällen. Dadurch wird die Umwelt geschont, die Emissionen von Klimagasen und Schadstoffen reduziert und die weitere Ansammlung von nicht abbaubaren synthetischen Stoffen verringert. Die Kreislaufwirtschaft orientiert sich am Stoffkreislauf der Natur. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft basiert auf der Idee von Cradle to Cradle, welche besagt, dass Biostoffe in biologische und technische Stoffe in technische Kreisläufe zurückgeführt werden können.

 

Seit Beginn der industriellen Revolution wurden in einem ständig wachsenden Ausmaß fossile Rohstoffe gefördert und verarbeitet. Aus diesen Rohstoffen, zumeist Kohle oder Erdöl, produzierte und produziert die chemische Industrie bis heute viele Grundstoffe, die zu mannigfaltigen Produkten in allen Bereichen der Wirtschaft weiterverarbeitet werden. Kohle und Erdöl dienen bis heute außerdem als Energielieferanten bei der Stromerzeugung oder als Rohstoff zur Gewinnung von Kraftstoffen. Die aus diesen fossilen Rohstoffen gewonnenen Produkte wurden nach Beendigung ihrer Nutzung meist als Abfall oder Müll entsorgt, ohne einer nachhaltigen Wiederverwendung zuzuführen. Hierbei handelt es sich um lineare Prozesse, die zur ständigen Verringerung der natürlichen fossilen Ressourcen, der Erhöhung der Konzentration von Treibhausgasen und gleichzeitig zur Ansammlung von nicht mehr nutzbaren Endprodukten in der Umwelt führen. Diese Form der Wirtschaft wird daher auch als Linearwirtschaft bezeichnet, was so viel heißt wie Wegwerfwirtschaft.

 

Die Kreislaufwirtschaft ist genau das Gegenteil davon. Sie schont die fossilen Ressourcen und nutzt nachwachsende Rohstoffe zur Herstellung von Chemikalien, Brennstoffen, Kraftstoffen und einer mannigfachen Anzahl von Produkten. Gleichzeitig werden zunehmend Verfahren entwickelt, die zum Recycling von Abfällen und Müll beitragen können. Der schrittweise Ersatz der Linearwirtschaft durch die Kreislaufwirtschaft verringert also den Ressourceneinsatz fossiler Rohstoffe, senkt die Emissionen von Kohlendioxid sowie anderer Schadstoffe und führt ebenfalls zur Steigerung der Herstellung wertvoller Produkte aus Abfällen. Im Rahmen dieses Prozesses wird der vollständige Ersatz der Linearwirtschaft durch die Kreislaufwirtschaft angestrebt.

 

Nachwachsende Rohstoffe stellen eine wichtige Säule der Kreislaufwirtschaft dar. Sie dienen unter anderem als Ausgangsmaterialien für biobasierte Chemikalien. Konkrete Beispiele für nachwachsende Rohstoffe sind etwa Holz, Rinde, Stroh, Ölsaaten, Krabbenschalen, Algen aber auch Lebensmittelabfälle, Schwarzlauge, Tiermehl oder Klärschlamm. Biobasierte Chemikalien können daraus durch chemische, biochemische und fermentative Prozesse erzeugt werden. Meist handelt es sich um eine Kombination dieser Prozesse. Hier werden die komplexen Prozesse mehrerer natürlicher Kreisläufe ausgenutzt.

 

So entsteht bei der Milchverarbeitung beispielsweise Sauermolke mit einem hohen Anteil an Lactose. Lactose kann durch Fermentationsprozesse in Milchsäure umgewandelt werden, die wiederum in der chemischen Industrie oft als Ausgangsstoff für die Herstellung biologisch abbaubarer Kunststoffe dient.

 

Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetika enthalten Tenside, deren Ausgangsstoffe (langkettige Kohlenwasserstoffe) bisher hauptsächlich aus Erdöl oder Kohle stammen. Zunehmend werden viele Tenside aber auch aus pflanzlichen Ölen wie Sonnenblumenöl gewonnen.

 

Das Gleiche gilt auch für biobasierte Chemikalien zur Herstellung von Arzneistoffen, Farben oder Lacken.

 

Holz und Stroh sind unter anderem Ausgangsmaterialien für sogenannte lignocellulosische Rohstoffe. Diese Rohstoffe bestehen aus einem Verbund von Zellulose, Hemizellulose und Lignin, welche aufgrund ihrer komplizierten Aufarbeitung bisher meist der Verbrennung zugeführt wurden. In verschiedenen Forschungseinrichtungen (Fraunhoferinstitut) werden derzeit jedoch neue Verfahren zum Aufschluss dieser Materialien und damit zu dessen Verwendung als Ausgangsrohstoffe für verschiedene Chemikalien untersucht.